DENK MAL AM ORT  2020

BERLIN      MÜNCHEN      FRANKFURT/M.

75 Jahre nach dem Ende  des Zweiten Weltkriegs erinnert DENK MAL AM ORT in drei Städten an Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurden.

FRANKFURT  4. + 5. April

MÜNCHEN  2. + 3. Mai 

BERLIN  9. + 10. Mai 

 


Um eine schnelle Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern, folgen wir der Empfehlung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa: Vom 14. März bis vorsorglich 18. April wird es keine DMAO-Gedenkveranstaltungen in Frankfurt am Main geben. 
Das DMAO-Programm für Frankfurt finden Sie dennoch online hier.

 

Frankfurt/Main 4. + 5. April

Gedenkveranstaltungen am Sonnabend,  4. April

1.
Semnar & Wolf Kommunikation GmbH, "Saal Wronker" im Souterrain, Senckenberganlage 12, Frankurt-Westend
10-11 Uhr  Vortrag

Mit Vergessene Namen Vernichtete Leben soll an die Geschichte der jüdischen Unternehmerfamilie Hermann Wronker und ihr großes Warenhaus an der Frankfurter Zeil erinnert werden. Auf dem Grundstück Senckenberganlage 12 (früher Hohenzollernplatz 76) wohnte die Familie Wronker von 1911 bis zur "Arisierung" durch die Nationalsozialisten. Die Villa wurde bei einem Luftangriff völlig zerstört. Der Stadtteilhistoriker Dieter Mönch stellt die Familie in einem Vortrag mit Bilddokumenten vor.

 

2.

Villa Kennedy, Kennedyallee 70, Frankfurt-Sachsenhausen
11:30 - 12:30 Uhr  Vortrag
Der historische Teil des heutigen Luxushotels Villa Kennedy war ursprünglich das Wohnhaus der jüdischen Familie Beit von Speyer. Dieter Wesp erforschte als Stadtteilhistoriker die Geschichte des Gebäudes und entdeckte, dass die Villa eine von rund 170 Immobilien war, die die Stadt Frankfurt im Nationalsozialismus in ihren Besitz gebracht hatte. 2018 hat die Stadt Frankfurt beschlossen, diese Vorgänge umfassend untersuchen zu lassen. Im historischen Weinkeller der Villa erinnert Dieter Wesp an die Geschichte des Gebäudes, die früheren Bewohner und die Umstände, unter denen sie ihren Besitz verloren sowie das geplante Forschungsprojekt.

 

3.

Mauerweg 10, Frankfurt-Nordend
13-14 Uhr  Biografische Lesung mit Dokumenten und Fotografien

An die drei jüdischen Schwestern Betty, Selma und Anna Wertheimer, die in diesem Haus seit 1910 mit ihren Eltern Karl und Luise Wertheimer und später zeitweise mit ihren Familien lebten, erinnert die Initiatorin der Stolpersteine gemeinsam mit einer heutigen Hausbewohnerin. Betty und Eugen Kloos, Selma und Simon Scheuer, Anna und Emil Schmitt wurden aus Frankfurt deportiert und ermordet. Seit 2014 erinnern Stolpersteine vor dem Haus an die Familien.

 

4. 

Kantstraße 6, Frankfurt-Nordend
14-16 Uhr  Gespräch

Selma und Seligmann Stern mit ihrer Tochter Elfriede gehörten zu den in die Kantstraße 6 unter Zwang eingewiesenen Mieter*innen. Die heutigen Hausbewohner*innen, Ansprechpartnerin ist Helga Irsch-Breuer, laden mit Fotografien und Gesprächen dazu ein, sich gemeinsam an Familie Stern und die anderen 18 jüdischen Verfolgten, die hier im Haus lebten, zu erinnern. Seit 2012 erinnern Stolpersteine an Elfriede, Selma und Seligmann Stern.

 

5.

Kino Mal Sehn, Adlerflychtstraße 6, Frankfurt-Nordend
14-16 Uhr  Film und Gespräch
Ernst Ludwig Oswalt (1922-1942) war Schüler der Musterschule und Leiter der Jugendarbeit in der Evangelischen St. Petersgemeinde. Von den Nationalsozialisten als Jude verfolgt, verfasste er am Tag vor seiner Deportation einen Brief an seine Freunde. Meinen Freunden zum Abschied heißt auch der 80minütige Dokumentarfilm des Frankfurter Filmemachers Heiko Arendt über Ernst Ludwig Oswalt. Zum anschließenden Gespräch kommt seine Nichte Ruth Oswalt aus Basel.

 

6.

Karl-Albert-Straße 33, Frankfurt-Bornheim

15-17 Uhr  Lesung, Gespräch und Musik
Mina und Arnold Salomons lebten in diesem Haus mit ihren Kindern Dagobert und Hanna. Dagobert gelang als einzigem der Familie 1938 die Flucht nach Kolumbien. Nach weltweiten Recherchen fanden die heutigen Hausbewohner Rosi und Edgar Reh die Tochter von Dagobert Salomons in Darmstadt. Dr. Astrid Salomons wird von der Geschichte ihrer Familie erzählen und aus Briefen lesen. Das Gedenken wird begleitet vom Chor des Musikalischen Wohnzimmers im Herrenapfel (Liz Nolte/Akkordeon, Brett Nancarrow/Klarinette, Lutz Eichhorn/ Gitarre). Seit 2018 erinnern Stolpersteine vor dem Haus an die Familie Salomons. 

 

7.
An der Ringmauer, Frankfurt-Römerstadt
15-17 Uhr  Gespräch und Musik
An die Menschen, die in der Römerstadt lebten und von den Nationalsozialisten verfolgt wurden, erinnert die Stadtteilhistorikerin Christa Fischer im Haus an der Ringmauer 15. Die Opernsängerin Kalliopi Patrona-Küpper und der Konzertgitarrist Christian Küpper öffnen zu diesem Gedenken ihre Wohnung und laden ein zu einer musikalischen Erinnerung.
Seit 2008 wurden 16 Stolpersteine in der Römerstadt verlegt. Sie erinnern an die Familien Baumann, Berentzen, Bohrmann, Cahn, Fabisch, Goldschmidt, Höxter, Jakob, Löb, Simenauer und Rothenberger.

 

Gedenkveranstaltungen am Sonntag, 5. April

1. 
Bildungsstätte Anne Frank e.V., Hansaallee 150, Frankfurt-Dornbusch
12-14 Uhr  Gespräch (Englisch mit Übersetzung)

Die Witwe Elise Hofmann war eine der ersten Bewohnerinnen der von der Henry und Emma Budge Stiftung 1930 fertig gestellten Seniorenresidenz in der Hansaallee 146. Im März 1939 wurden die letzten jüdischen Bewohnerinnen aus dem Heim vertrieben. Karen und Connie Levi kommen aus Rockville/Maryland und aus San Francisco nach Frankfurt, um an ihre 1942 in Treblinka ermordete Urgrossmutter Elise Hofmann zu erinnern. 

 

2.
The Suite Fabric Hotel, Hanauer Landstraße 14, Frankfurt-Ostend
15-17 Uhr   Lesung und Zeitzeugengespräch

Edith Erbrich geb. Bär war ein Kind von sechs Jahren, als sie mit ihrer älteren Schwester Hella und ihrem Vater Norbert Bär am 14. Februar 1945 aus dem Nachbarhaus Uhlandstraße 60 mit einem der letzten Transporte nach Theresienstadt deportiert wurde. Heute ist Edith Erbrich eine engagierte Zeitzeugin. Ich hab' das Lachen nicht verlernt lautet der Titel ihrer Lebensgeschichte, aufgezeichnet von Peter Holle (2014).

 

3.

Weinstube im Nordend, Eckenheimer Landstr. 84, Frankfurt-Nordend
15-17 Uhr  Lesung und Gespräch

An die Eheleute Selda und Abraham Ebe und ihre fünf Kinder erinnert Hanne Straube in der Weinstube im Nordend. In diesen Räumen wohnte und betrieb die Familie den Lederwarenladen Ebe. Am 29. Oktober 1938 wurden fünf Mitglieder der Familie im Rahmen der sogenannten Polenaktion bis über die polnische Grenze deportiert und dort ausgesetzt. Die drei überlebenden Kinder beantragten Entschädigung für ihre ermordeten Angehörigen. Die Akten, aus denen gelesen wird, zeigen die demütigende Vorgehensweise der Behörden.
Seit 2019 erinnern Stolpersteine vor der Weinstube an Selda und Abraham Ebe und ihre Kinder Rosa, Leo und Esther.

 

4.
Weinstube im Nordend, Eckenheimer Landstr. 84, Frankfurt-Nordend
17:30 Uhr  Lichtinstallation
Mit einer Lichtinstallation der Namen gedenken wir jener Menschen, deren Geschichte wir an diesem Wochenende in Frankfurt erinnern.