DMAO 2019         4. und 5. Mai

Berlin-Wilmersdorf, Nikolsburger Platz 4

Lily Katz als junges Mädchen in Hannover  (c)Sylvia Paskin, London

 

Zwei Schwestern

Ich wurde 1944 in eine Flüchtlingsfamilie hineingeboren – mein Vater Lothar stammt aus Hannover, meine Mutter Mimi aus Wien.

Wir lebten in Wembley, einem Vorort von London. Die Außenwelt hieß britisches Sparprogramm, Lebensmittelrationierung, Smog, Empire Day Feierlichkeiten in der Schule. Im Hausinnern empfing dich Mtteleuropa. Die Möbel meiner extravaganten Großmutter Lily verliehen jedem Zimmer eine besondere Atmosphäre: An Sonnabenden buk meine Mutter Wiener Spezialitäten: Linzertorte, Apfelstrudel, Spitzbuben, Sachertorte, alles natürlich mit Schlagsahne. Am Sonntagvormittag grübelte mein Vater über dem Schachbrett, am Nachmittag erschienen die Freunde meiner Eltern zum Tee – es waren Deutsche, Österreicher, Ungarn, Tschechen, allesamt Kontinentaleuropäer. Deutsch lernte ich so wie durch Osmose. 

Unvergesslich ist für mich meine Angst vor einem riesenhaften schwarzen Möbel aus Japan, das unseren Flur bis zur Decke verdunkelte. In das Holz dieses Schranks waren Adler, Drachen und Affen geschnitzt, für mich waren es Monster, die mich in meinen Träumen verfolgten. Das Innere des Schrank barg magische Schätze: böhmisches Kristall, Dresdener Porzellan, Damasttischtücher in zarten Rosétönen mit eingesticktem Monogramm und ein schweres silbernes Kaffeeservice mit runder Form. Der Schrank mit seiner Magie, Perserteppiche, Meissener Porzellanfiguren, Gemälde – all das gehörte einmal meiner Großmutter. Mein Vater war ihr einziges Kind aus ihrer Ehe mit Ludwig Sauer.

Lily Knips mit ihrem dreijährigen Sohn Lothar  (c) Sylvia Paskin

Lily wurde Hannover geboren, aber sie lebte in Berlin. Nach der Scheidung von Ludwig Sauer, ihrem ersten Ehemann, heiratete sie Franz Knips. Franz Knips, der nicht jüdisch war, verstarb bereits 1935. Damals lebte Lily in der Freiherr-vom-Stein Straße 8 in Schöneberg. Aus dieser Wohnung zog sie in die Wielandstraße 30 in Charlottenburg.

Ein Spaziergang: Lily Knips mit ihrem Sohn Lothar  (c)Sylvia Paskin

Mit einer gewissen Vorahnung schickten Lily und Ludwig ihren Sohn bereits 1933 nach London, und er begann ein Studium an der London School of Economics. Dort lernte er meine Mutter kennen, sie heirateten und begannen ein gemeinsames Leben in London. 

Als die Nazis sich nicht mehr mit Deutschland begnügten, sondern nach Europa griffen, fürchtete Lily immer mehr um ihr Leben.  Meinem Vater gelang es 1939, sie aus Berlin heraus und nach England zu holen.

In Berlin hatte Lily ein sozial und kulturell reiches Leben geführt – jetzt war sie plötzlich nurmehr ein Flüchtling im kriegsgeschüttelten grauen England, gestrandet in einer nasskalten Wohnung, in die sie sich mit anderen Untermietern teilen musste, und sie bemühte sich, den Herausforderungen einer für sie fremden Kultur standzuhalten, wie so viele andere damals.

Lily Knips geb. Katz (links)                          (c) Sylvia Paskin, London

Doch Lily erkrankte an einer Depression. Eine unglückliche und tragische Liebesbeziehung kam hinzu.  Während ihrer Fluchtvorbereitungen in Berlin hatte sie einen Mann kennen gelernt. Josef Jakobs handelte mit gefälschten Pässen, die er verfolgten Juden verkaufte. Er selbst war kein Jude. Lily und Josef Jakobs verliebten sich ineinander und begannen eine Liebesbeziehung, die abrupt endete, als die Gestapo ihn aufspürte, verhaftete und in das KZ Sachsenhausen verschleppte. Der ihm von der Gestapo angebotene Deal, als Spion für die Abwehr tätig zu werden, schien seine einzige Überlebenschance. Von englischem Boden aus sollte er Wettermeldungen für die Luftwaffe ins Deutsche Reich funken.

Mit einem Fallschirm wurde er im Januar 1941 über England abgeworfen, brach sich beim Aufprall den Knöchel und wurde auf der Stelle von der British Home Guard festgenommen.

Ein Zettel mit Lilys Name und Adresse wurde in seiner Tasche gefunden. Ob er wirklich vorhatte, als Spion für die Deutschen zu arbeiten? Hatte er Lily mit hineinziehen wollen? Oder wollte er nach Lily suchen, damit sie ihn versteckte?

Als ehemaliger Soldat der Wehrmacht wurde Josef Jakobs inhaftiert, verhört und vor Gericht gestellt, bevor er im Tower von London erschossen wurde. Die Ironie des Schicksals bescherte ihm eine gewisse Bekanntheit: Josef Jakobs ist der letzte Häftling, der im Tower von London erschossen wurde.

Sein gewaltsamer Tod und ihr eigenes Leben als Flüchtling waren zu viel für Lily.  Mit Gas setzte sie ihrem Leben 1943 ein Ende. Lily wurde nur 52 Jahre alt. Mein ebenso strahlender wie verstörter Vater hat sich von diesem Schicksalsschlag niemals erholt.

Elsa Katz als junges Mädchen, Hannover      (c)Sylvia Paskin, London

Lily besaß eine Schwester: Elsa,  geboren 1890. Sie verheiratete sich mit Alfons Majewski, ließ sich aber später von ihm scheiden. Elsa war ausgebildete Krankenschwester,  doch die Nazis verboten ihr die Ausübung ihres Berufes. Am Nikolsburger Platz 4 wohnte sie in einem Haus, in dem außer ihr noch zehn andere jüdische Mieter lebten. 1940 wurde sie aus diesem Haus vertrieben und zwangsweise in ein sog. Judenhaus in der Holsteinischen Straße 9 eingewiesen. Am 13. Juni 1942 wurde sie von Gleis 13 vom Bahnhof Grunewald nach Sobibor deportiert und dort unmittelbar nach der Ankunft ermordet.

Das Mietshaus am Nikolsburger Platz 4 wurde von Bomben vollkommen zerstört. An seiner Stelle befindet sich heute der Spielplatz der benachbarten Cecilien Grundschule. Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern legte der Künstler Gunter Demnig Stolpersteine für jene elf Menschen, die aus diesem Haus deportiert wurden. Jedes Jahr am 9. November legen die Schülerinnen und Schüler Rosen für die Ermordeten auf die Stolpersteine und zünden Lichter an.

Nachdem Elsa deportiert wurde, verkaufte der Vermieter ihre zwei Sofas mit Sofakissen für 10 Reichsmark, mehr Besitz war ihr nicht geblieben. Im Brandenburgischen Landeshauptarchiv in Potsdam liegt eine Akte, in der es heißt, „die Jüdin Elsa Majewski schuldet dem Deutschen Reich eine Steuer in Höhe von 90 Reichsmark“.

 

Das Zuhause meiner Kindheit besaß wunderschöne objets d’art und herrliche Möbel, und die Räume füllten sich mit dem Lachen unserer Gäste. Waren wir allein, spiegelten sie die Schatten der Vergangenheit, eine ungewisse Schuld und die unermesslichen Lücken, die sich nie mehr schließen würden.

Der tragischen Familiengeschichte von Lily und Elsa vermochte niemand von uns zu entkommen, auch nicht dem Wissen über das, was meinen Großeltern in Wien angetan wurde. 

4. Mai 2019 | 14 Uhr | Sylvia Paskin in der Cecilien-Schule |

Nikolsburger Platz 4 | Berlin-Wilmersdorf

Berlin-Schöneberg, Haberlandstraße 8

(c) Gregorio Ortega Coto, Berlin


Ich lebe meine Tagträume in Musik (Albert Einstein)

Um Interessierten jenen Blick zu ermöglichen, den Professor Albert Einstein von 1917 bis 1932 aus dem Fenster hatte, öffnet Gregorio Ortega Coto seine Wohnung im 4. Stock der Haberlandstraße 8. 

Eine Annährung an das Genie, den Musiker und Visionär mit einer elektro-akustischen Komposition von Marion Fabian, der Violine von Claudia Teschner und dokumentarischem Material von Gregorio Ortega Coto.

Sonnabend, 4. Mai | 13 - 15 Uhr | Haberlandstr. 8 | Berlin-Schöneberg

Berlin-Charlottenburg, Mommsenstraße 6

Bernhard Fiegel, seine Mutter Erna und ein Löwenbaby, Berlin     (c) Naomi und Paul Fiegel, Sydney

Die Fiegels waren alteingesessene Charlottenburger. In der Mommsenstraße haben sie 25 Jahre lang gewohnt, zuletzt im Haus No. 6. Paul Fiegel war Inhaber einer Saatengroßhandlung, gegründet von seinem Vater Benno Fiegel. Am 1. Januar 1919 bekamen Erna und Paul Fiegel ihr erstes und einziges Kind, den Sohn Bernhard.

Bernd, wie er genannt wird, wird im August 1925 in der 19. Gemeindeschule Charlottenburg eingeschult. Er hat es nicht weit, muss nur um die Ecke in die Bleibtreustraße 43. Bis 1934 besucht er dort auch das weiterführende Kaiser Friedrich Gymnasium, die heutige Europaschule Joan Miró.

Erster Schulgang mit beiden Hausgeistern Anna und Elfriede, 1925 (Notiz auf der Rückseite) (c) Naomi und Paul Fiegel, Sydney

Diese Fotografie schickten Naomi und Paul Fiegel an uns, die wir heute in der Mommsenstraße 6 leben. Viele weitere Fotos, Dokumente, Briefe und ein Tagebuch ihres Vaters vertrauten sie uns an. Es war ein glücklicher Zufall, Naomi und Paul Fiegel in Sydney ausfindig gemacht zu haben. Plötzlich sehen wir Bilder von Menschen, die wir zuvor nur aus den Akten der Archive kannten. 

 

Ihr Großvater Paul Fiegel,  als Sohn von Benno und Minna Fiegel geb. Cohn am 12. November 1881 in Berlin geboren, heiratet am 26. April 1914 Erna Hirschfeld. Sie ist am 10. Juni 1893 in Leipzig geboren. 

 

1936 - im Jahr der Olympischen Spiele in Berlin - ziehen die Fiegels in eine neue Wohnung in die Mommsenstraße 6: eine schöne 7-Zimmerwohnung im Vorderhaus. In einer "Eidesstattlichen Erklärung für das Berliner Entschädigungsamt schreibt Erna Fiegel am 27. Januar 1961: "Anlässlich des Umzuges in die neue Wohnung hatten wir die gesamte Einrichtung von dem Architekten Max Lewy, Berlin-Zehlendorf West, Beerenstraße 20A bearbeiten lassen; Stoffe, Fussbodenbeläge und Vorhänge waren von der Firma Gerson, Berlin."

Als begeisterter Sportler besucht der 17jährige Bernd 1936 die Olympischen Spiele in Berlin. Seinem Tagebuch vertraut er am 1. August an: "Es ist für mich sehr aufregend. Das schreckliche Bewußtsein, im deutschen Sport vollkommen ausgeschaltet zu sein." 

 

Noch können Fiegels sich wohl ein Leben in Deutschland vorstellen.
Um diese Zeit entstand dieses Bild von Vater und Sohn. 

Vater und Sohn, 1935                                                                           (c) Naomi und Paul Fiegel, Sydney

Doch schon am 1. Juli 1937 muss Paul Fiegel seine Firma unter dem Zwang der NS-Behörden verkaufen. Ab diesem Zeitpunkt ist er ohne Einkommen. Als Fiegels 1938 den Novemberpogromen ausgesetzt sind, entschließen sie sich, ihre Heimat zu verlassen. Bernhard geht im Juni 1938 nach Gouda in den Niederlanden. Dort arbeitet er in einer Staatlichen Prüfungsanstalt für keramische Erzeugnisse. Erna und Paul Fiegel buchen Schiffsbilletts für den Dampfer SLAMAT, der am 10. Juni 1939 von Rotterdam nach Colombo aufbricht. Mit dem Dampfer SRATHALLAN geht es von Colombo nach Sydney. Am 8. November 1939 kommen sie in Durban an. Bernhard landet an eben diesem Tag mit dem Flugzeug in Darwin. Gemeinsam beginnen sie ein neues Leben in Sydney. Es ist nicht einfach. Paul Fiegel arbeitet als Packer, um seine Familie zu ernähren. 

 

 

Am 1. Oktober 1943 tritt Bernhard Fiegel in die australische Armee ein. Ein Anlass für ein Bild von Mutter und Sohn.

(c) Naomi und Paul Fiegel, Sydney

Fünf Monate nach Kriegsende erhält Bernhard Fiegel die australische Staatsbürgerschaft. In Ashfield, Sydney, eröffnet er 1946 ein Geschäft für Keramik. Seine Mutter unterstützt ihn im Geschäft. 

 

Paul und Naomi Fiegel                           (c)Naomi und Paul Fiegel, Sydney

Bernhard Fiegels Kinder Naomi und Paul sind von DENK MAL AM ORT begeistert und kommen im Mai aus Sydney nach Berlin, um an ihren Vater und die Großeltern zu erinnern - in der Wohnung von Wolf Baumann und Claudia Saam in der Mommsenstraße 6.

 

Dort wird auch der Familie Isaacsohn und der Familie Selten gedacht werden: Sie waren Nachbarn im Haus Mommsenstraße 6, bevor sie von dort deportiert wurden.

Sonnabend und Sonntag,  4. /5. Mai | 14-17 Uhr 

Mommsenstraße 6 | Berlin-Charlottenburg

 

 

Berlin-Schöneberg, Apostel-Paulus-Str. 26

Johanna und Richard Landsberger auf ihrem Balkon, 1934                                                 (c)Kurt Landsberger

Als Kurt Landsberger 2011 dieses Foto schickt, ist sofort klar, in welcher Etage seine Familie in der Apostel-Paulus-Str. 26 gewohnt hat. Jeder Balkon ist durch seine besondere Gestaltung eindeutig zuzuordnen. 
1933 ist die Familie Landsberger aus der Schöneberger Crellestraße in die Apostel-Paulus-Straße gezogen. Anfangs besuchen die drei Kinder Kurt, Inge und Gerd die umliegenden Schulen, aber die politischen Verhältnisse ändern sich bald. Am 9. November 1938 wird Richard Landsberger hier im Haus von der Gestapo verhaftet. Dank seines noch gültigen Touristenvisums für die USA kommt er Ende Dezember aus dem KZ Sachsenhausen frei, mit der Auflage, Deutschland sofort zu verlassen. Er flieht Anfang Januar 1939 in die USA. Zuvor macht man noch ein Familienfoto. Man weiß ja nicht, ob man sich wirklich wiedersieht, aber man hofft es. Ein Jahr später, im Februar 1940, folgt seine Frau Johanna Landsberger mit den Kindern. Ihre Visa für die USA sind gerade noch rechtzeitig gekommen. Was für ein Glück. Zurück in der Wohnung bleibt Richards Bruder Franz Landsberger. Nur kurze Zeit später steht erneut die Gestapo vor der Tür, um den 17-jährigen Kurt abzuholen, wie Franz seinem Bruder Richard in New York mitteilt. Nur gut, dass Kurt da schon auf dem Weg in die USA ist. Franz Landsberger selbst kann nicht mehr fliehen. Er wird im September 1942 nach Raasiku deportiert und dort ermordet.

Gedenktafel Apostel-Paulus-Straße 26 in Berlin-Schöneberg, 2012               (c)Gabrielle Pfaff, Berlin

Außen am Haus Apostel-Paulus-Straße 26 befindet sich diese Tafel. Sie gedenkt der 28 früheren jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner. Ihre Namen und weitere Angaben sind auf einer großen Tafel im Inneren des Hauses nahe beim Eingang aufgeführt. Sieben Personen (zwei Erwachsene und fünf Kinder) konnten den Deportationen entgehen.   Die feierliche Enthüllung der beiden Tafeln erfolgte im April 2012 im Beisein von Überlebenden und Nachkommen, von Menschen aus der Nachbarschaft, der bezirklichen und städtischen Politik sowie aus verschiedenen Institutionen.
Den Film, der diesen Anlass dokumentiert, zeigen wir, die heutigen Hausbewohnerinnen und Bewohner am 5. Mai zwischen 13 und 15 Uhr erneut und laden Sie dazu herzlich ein.

Sonntag, 5. Mai | 13-15 Uhr  
Apostel-Paulus-Str. 26 | Berlin-Schöneberg

Berlin-Tiergarten, Flotowstraße 9

Eva Wolffheim, erster Schultag, Berlin 1933                              (c)Karen Levi, Rockville, Maryland/USA

Eva Wolffheim im Berliner Tiergarten (c) Karen Levi

Von 1932 bis 1939 lebt Eva Wolffheim mit ihren Eltern und dem fünf Jahre älteren Bruder Günther in der Flotowstraße in Berlin-Tiergarten. Bei ihrer Einschulung 1933 strahlt sie. Drei Jahre später wird sie von der öffentlichen Schule verwiesen. Ein anderes Foto zeigt Eva im Tiergarten, ihrem Lieblingsspielplatz, den sie schon bald nicht mehr betreten darf. Sie ist 11 Jahre alt, als die Familie nach Shanghai flüchtet. Heute ist sie 91 und lebt in San Francisco.

       Am 4. Mai kommt ihre Tochter Karen Levi aus Rockville/Maryland nach Berlin, um in der ehemaligen Wohnung der Wolffheims in der Flotowstraße 9 an ihre Familie zu erinnern. Karen Levi wird aus ihrem Buch "Love and Luck. A young Woman's Journey from Berlin to Shanghai to  San Franciso" lesen und mit den heutigen Bewohnern sprechen, die ihre Wohnung für Karen, ihre Schwester Connie Levi und interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer öffnen.

Foto: Karen Levi und Eva Levi geb. Wolffheim                (c)Karen Levi, Rockville, Maryland/USA

 

Sonnabend, 4. Mai |  12:30  |  Flotowstraße 9  |  Berlin-Tiergarten

Berlin-Schöneberg, Rosenheimer Str.  40

(c) Claudia Samter, Buenos Aires

Ein Bild noch aus guten Berliner Tagen. Max und Else Simon geb. Stargardt (links), mit ihrer Tochter Helga und dem Schwiegersohn Hugo Kaufmann (rechts). In der Mitte steht Elses Schwester Frida mit ihrem Mann Willi Kastan. 
Hugo Kaufmann gelang noch im März 1941 die Flucht in die USA. Max Simon flüchtete am 15. Oktober 1941 in den Tod. Else Simon und ihre Tochter Helga wurden zusammen mit Helgas vierjähriger Tochter Yvonne Luise am 3. Februar 1943 aus der Rosenheimer Straße 40 nach Auschwitz deportiert.

 

Claudia Samter lebt in Buenos Aires. Sie hat DENK MAL AM ORT im vergangenen Sommer gefunden, nachdem sie einen Artikel von Susana Fernández Molina über DMAO in der spanischen Zeitung El País las. Es brauchte noch einige Wochen und Mails, bis Claudia und wir uns bewusst wurden, dass es drei Mitglieder ihrer Familie waren, die in die Rosenheimer Straße 40 zwangseinquartiert und von dort nach Auschwitz deportiert wurden: Else Simon (Claudias Großtante), Helga Kaufmann (Claudias Tante) und Yvonne Luise (Claudias Cousine). Seit 2016 erinnert Marie Rolshoven an sie in ihrer Wohnung, mit Dokumenten aus Berliner Archiven, es schien kein einziges Bild mehr zu geben. Bis jetzt. Bis Claudia Samter uns fand und ihr Fotoalbum öffnete. Danke, Claudia, für dein Vertrauen.

Danke, Susana Fernández Molina, ohne deinen Artikel und ohne dein Projekt Citycise  würde es diese Begegnung nicht geben.

Claudias Mutter, Ursula Samter geb. Kastan, war ein junges Mädchen, als sie 1938 mit ihrer Pfadfindergruppe nach Argentinien entkam. 
Claudia Samter wird nach Berlin kommen und in der Wohnung in der Rosenheimer Straße an die verlorenen Mitglieder ihrer Familie zu erinnern und die abenteuerliche Fluchtgeschichte ihrer Mutter zu berichten. 

Die Schwestern Frida Kastan und Else Simon mit ihren Töchtern Ursula Kastan und Helga Kaufmann in Berlin.                                                 c) Claudia Samter, Buenos Aires/Argentinien

 

Sonntag, 5. Mai | Rosenheimer Straße 40  |  Berlin-Schöneberg
Ausstellung  11 - 13 Uhr  
Gespräch  12 Uhr